Waldkapelle Neckarzimmern - Bauliche Erläuterungen

Herr Architekt Patrick Lubs von ap88 in Heidelberg erläuterte in seinem Grußwort, während des Empfang`s anlässlich der Einweihung der Waldkapelle Neckarzimmern am 14.11.2011, die der Waldkapelle zugrunde liegenden baulichen Aspekte

Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. Fischer,
sehr geehrter Herr Landrat Dr. Brötel,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Stuber,
sehr geehrter Herr Oberkirchenrat Prof. Dr. Schneider-Harpprecht,
sehr geehrter Herr Oberkirchenrat Werner,
sehr geehrter Herr Landesjugendpfarrer Dr. Schalla,
lieber Herr Maier,
sehr geehrte Damen und Herren,

in einer von Turbulenzen und großer Unsicherheit geprägten Zeit ist es gut und wichtig, dass es Orte gibt, die dem menschlichen Bedürfnis nach Kontemplation und Entschleunigung Raum geben.

Kirchen sind solche besonderen Orte. Sie können den Menschen durch ihre spirituelle Raumatmosphäre helfen, in Andacht und Kontemplation die Antwort zu finden, die der christliche Glaube ihnen als Orientierungshilfe anbietet.

Deshalb war es uns als Architekten von Anfang an wichtig, hier ein Gebäude zu entwerfen, das klar und deutlich sagt: Ich bin eine Kirche.

Bei der Wahl des Standortes für die Kapelle schien uns die Lage auf der Waldlichtung oberhalb der Tagungshäuser besonders vorteilhaft.

Einerseits wird dadurch der herausragenden Bedeutung des Hauses ebenso sinnbildlich entsprochen, wie dem Wunsch nach „Herausnehmen aus dem Alltag“.

Andererseits fügt sich die Kapelle dennoch ganz selbstverständlich als weiterer Baustein in die Gesamtanlage ein. Mehr noch: sie ergänzt sie mit ihrem Vorplatz in einer Weise, die dem Ensemble eine neue, dorfähnliche Qualität verleiht. Schließlich haben Dörfer fast immer Kirchen mit einem Kirchplatz davor.

Das Gebäude selbst ist in seiner äußeren Gestalt bewusst dem Archetypus Haus verpflichtet und die Integration der historischen Glocke in einem Dachreiter bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass es sich bei dem Haus um eine Kirche handelt.

Der Innenraum entspricht in seinen Umrissen der äußeren Gestalt. Auf das Wesentliche reduziert, erhält der Raum seine sakrale Atmosphäre durch die subtile Modulation des Tageslichts.

Gefiltert durch den Querschnitt der Holzrahmenkonstruktion bekommt der Innenraum über die Fassade gleichmäßiges Nordlicht, während die östliche Giebelwand, vor der bei Gottesdiensten der Altar steht, durch Streiflicht in Szene gesetzt wird.

Das Tageslicht wird somit zum wichtigsten Element der Raumgestaltung. Es erweckt das Holz zum Leben, welches als Baumaterial fast ausschließlich zur Verwendung kam.

Die Entscheidung für Holz als Material hat ihren Ursprung im Selbstbaugedanken. Die massive, einer Blockhütte nicht unähnliche, Holzkonstruktion ist eine ausgesprochen einfache Bauweise, die ohne komplizierte und damit fehlerträchtige bautechnische Anschlüsse auskommt.

130 gleiche bzw. ähnliche Holzrahmen wurden vorkonfektioniert auf die Baustelle geliefert, vor ort größtenteils von Laien auf dem Vorplatz liegend zusammengesetzt und dann aufgerichtet.

Neben den vielen jugendlichen Helfern, die z.B. über den internationalen Bauorden nach Neckarzimmern kamen, haben, wie Sie ja schon mitbekommen haben, auch Mitarbeiter des Evangelischen Oberkirchenrates Karlsruhe tatkräftig an der Kapelle mitgebaut und dabei ihre selbst gesteckten Ziele übertroffen.

Die Entscheidung für Holz brachte aber noch einen weiteren überaus positiven und so ursprünglich nicht geplanten Aspekt in das Projekt hinein.

Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau konnte als Hauptsponsor gewonnen werden und hat durch die Spende des gesamten Bauholzes wesentlich dazu beigetragen, dass das vorgegebene Budget von knapp 300.000 Euro eingehalten werden kann.

Überhaupt bin ich zutiefst davon beeindruckt, wie viel Unterstützung dieses Projekt auf vielfältigste Art und Weise erfahren hat.

Die vielen Helfer aus aller Herren Länder, die mitgebaut haben, aber auch die Sponsoren. Kaum eine der am Bau der Kapelle beteiligten Firmen, hat nicht Teile ihrer Leistung unendgeldlich als Spende in das Projekt eingebracht.

Unvergessen bleibt auch die Chornacht im April dieses Jahres. Jeder, der dabei war, wird bestätigen, dass es ein ganz besonderes Erlebnis war, sich an dem herrlichen Gesang von über 150 Sängerinnen und Sängern zugunsten der Kapelle erfreuen zu dürfen.

An dieser Stelle möchte ich auch noch ausdrücklich unterstreichen, dass die Zusammenarbeit mit dem Projektteam überaus angenehm war. Dafür möchte ich mich bei Herrn Maier von der Tagungsstätte, Herrn Schlechtendahl, Herrn Gabriel und Frau Palluch vom Kirchenbauamt und meinen Kollegen Herrn Horejs und Herrn Kley ganz herzlich bedanken.

Aber auch die am Bau beteiligten Firmen – und das möchte ich hier auch noch mal betonen – haben sich beim Bau der Kapelle mit viel Herzblut und großem Engagement eingebracht. Es hat viel Spaß gemacht und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Ich wünsche mir, dass viele junge Menschen in dieser wunderschönen Kapelle Ruhe, Kraft und Zuversicht finden. Möge heute und auch in Zukunft Gottes reicher Segen von diesem Haus ausgehen.

Vielen Dank